Zur
Geschichte des Colloquiums Psychoanalyse
Seit dem Sommersemester 1995 veranstaltet
der Arbeitskreis Psychoanalyse an der Freien Universität
Berlin sein Colloquium Psychoanalyse. Der Arbeitskreis Psychoanalyse
ist Anfang 1994 auf die Initiative von Studenten und Studentinnen
gegründet worden, um der mangelnde Präsenz der Psychoanalyse
im universitären Lehrangebot im Fach Psychologie zu begegnen.
Während in der Humanmedizin, den kultur- und geisteswissenschaftlichen
Fächern als Grundlagentheorie vermittelt, spielt die Psychoanalyse
in der akademischen Psychologie nur eine marginale Rolle.
Ziel des Arbeitskreises war und ist es daher, ein wissenschafts-öffentliches
Forum für die Vermittlung und die kritische Diskussion der
psychoanalytischen Theoriebildung zu schaffen. Dabei bot und bietet
ein in den universitären Rahmen eingebettetes Colloquium
die Gewähr für einen Diskurs über den Gegenstand
der Psychoanalyse, der schulenübergreifend und nicht von
inhaltlichen und standespolitischen Interessen determiniert ist.
Mit einem solchen öffentlichen und interdisziplinären
Forum soll neben einer Diskussion der psychoanalytischen Theorien
auch der Versuch unternommen werden, sowohl den gesundheitspolitischen
als auch den gesellschaftspolitischen Standort der Psychoanalyse
zu bestimmen. Sofern die Psychoanalyse auch als eine auf Emanzipation
zielende, selbstreflexive Wissenschaft verstanden wird und einen
solchen Wissenschaftsanspruch nicht aufgeben will, muss sie sowohl
ihren eigenen wissenschaftstheoretischen Standort im Verhältnis
zu den übrigen Wissenschaften vom Menschen bestimmen, als
diesen auch in einem interdisziplinären Diskurs zur Diskussion
stellen. Wir möchten den Rahmen bieten, den Kemberg 1995
als Ideal einer institutionalisierten Psychoanalyse beschrieben
hat: Nicht "eine Kombination aus religiösem Seminar
und technischer Hochschule", sondern eine "Verbindung
von Universitätsinstitut und Kunstakademie."
Der Verein Colloquium Psychoanalyse
e. V.
Der Verein dient zum einen der Öffnung
des Arbeitskreises für weitere Interessierte. Dabei soll der
Verein die Struktur bieten, über das Colloquium hinausgehende
Projekte zu ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist die finanzielle
Absicherung unserer Arbeit. Wir streben an, die Arbeit aus eigenen
Mitteln bestreiten zu können. Nicht zuletzt soll die Vereinsgründung
ein weiterer Schritt sein, der Psychoanalyse einen Raum an der Universität
zu sichern. Die Mitgliedschaft im Verein Colloquium Psychoanalyse
e.V. sichert die Arbeit des Arbeitskreises finanziell ab und bietet
die Möglichkeit, eigenen Fragestellungen im Diskurs um die
Psychoanalyse nachzugehen.
Zu unserem Enblem und unserem
Selbstverständnis
Sisyphus-Mythos
Unser Emblem zeigt eine Sisyphus-Darstellung aus dem 4.-5. Jahrhundert
v. Chr. In der griechischen Mythologie bezwingt Sisyphus Thanathos
und überlistet Persephone, die im Hades den Eintretenden die
Erinnerung nimmt. Zweimal widersetzt sich Sisyphus der göttlichen
Anordnung zu sterben. Zur Strafe muss er in der Unterwelt ein Felsstück
auf den Gipfel eines steilen Berges wälzen, von dem dieser
aber immer wieder, fast im Gipfel angelangt, herabrollt.
Sisyphus ist eine gebrochene Gestalt, die in ihrem Widerstand von
der göttlichen Ordnung eingeholt wird. Er liefert uns das Bild
für ein 'Verständnis von Kritik als ein immer wieder neu
zu beginnender, nicht zum Abschluss zu bringender Prozess. Damit
verbunden ist die Absage an die Vorstellung eines positiven Wissens
als Formulierung überzeitlich-verfügbarer Gewissheiten.
Die Psychoanalyse wird von uns verstanden als ein notwendiges Element
einer kritischen Sozialforschung und als aufklärerische Kraft
in Wissenschaft und Kultur.
Wie Albert Camus formuliert hat, muss man sich Sisyphus als glücklichen
Menschen vorstellen.
Dr.Ada.Borkenhagen@t-online.de
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