Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Kinderwunsch und Fertilitätserhalt bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien im jungen Erwachsenenalter – Eine Studie zur Arzt-Patienten-Kommunikation

Leitung: Prof. Elmar Brähler
Mitarbeit: Dipl.-Psych. Kristina Geue, Diana Richter M.A.,
Dipl.-Psych. Annekathrin Sender

Hintergrund: Die Arzt-Patienten-Kommunikation bezüglich Kinderwunsch und Fertilität ist bisher noch unzureichend wissenschaftlich untersucht. Dabei stellt die Beratung der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bzw. vor Beginn der onkologischen Behandlung eine notwendige Voraussetzung dar, um eine Fertilitätsprotektion durchführen zu können. Besonders bei systemischen Tumorerkrankungen sind oftmals gravierende Behandlungsmaßnahmen angezeigt, um eine Heilung zu forcieren. Das vorliegende Projekt hat die Arzt-Patienten-Kommunikation in der Hämato-Onkologie aus der Perspektive der Betroffenen sowie der Onkologen näher untersucht.

Stichprobe und Methodik: In die Studie eingeschlossen wurden Patienten mit einer gesicherten hämatologischen Neoplasie im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die zum Zeitpunkt der Diagnose noch einen Kinderwunsch hatten. Ebenso wurden hämato-onkologisch tätige Ärzte anhand eines Fragebogens befragt. Es wurde ein halbstrukturiertes Interview durchgeführt sowie standardisierte Instrumente eingesetzt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, anschließend transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 30 Patienten und 12 Partner interviewt. Mit 120 Ärzten wurde eine quantitative Erhebung durchgeführt, ebenso wurden 25 Onkologen interviewt. 27 der 30 Patienten haben mit ihrem Arzt über den Kinderwunsch und die Fertilität gesprochen, wobei in acht Fällen die Initiative vom Patienten ausging. Die Gespräche wurden insgesamt recht positiv eingeschätzt. Eine fertilitätserhaltende Maßnahme ließen 17 Patienten durchführen. Die Partner der Krebspatienten waren nach dem Distress-Thermometer wesentlich belasteter als der Patient selbst. Für die befragten Ärzte stellte die Thematik Kinderwunsch und Fertilitätsaspekte eine große Relevanz dar und der überwiegende Teil besprach diese Themen immer bzw. meistens mit seinen Patienten. Als Faktoren, die die Gesprächswahrscheinlichkeit verringern, wurde u.a. eine infauste Prognose, schlechtes psychisches Befinden des Patienten und Homosexualität genannt. Die eigenen reproduktionsmedizinischen Kenntnisse wurden von den Onkologen als ausreichend eingeschätzt, wobei sich jedoch in der quantitativen Befragung bei den Fertilitätsprotektionen für Ärztinnen Wissensdefizite zeigten.

Schlussfolgerung: Unsere Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Aufklärung über Fertilität und Fertilitätserhalt oftmals erfolgt. Dennoch muss eine weitere Sensibilisierung für das Thema erfolgen, um sicherzustellen, dass wirklich jeder junge Patient aufgeklärt wird. Vor allem in kleineren Krankenhäusern herrscht hier Nachholbedarf. Zur Verbesserung der Kommunikation wurde aus ärztlicher Sicht vorgeschlagen, den interdisziplinären Austausch mit der Reproduktionsmedizin auszubauen, indem beispielsweise Schulungen etabliert werden. Ferner äußerten sowohl Patienten als auch die Onkologen, dass Informationsmaterial zur Thematik Kinderwunsch und Fertilität bereitgestellt werden sollte.

Förderung:
José Carreras Leukämie-Stiftung    

Projektnummer:
933000-067

 

Laufzeit:

09/2010 – 02/2013

 
Letzte Änderung: 16.12.2015, 15:34 Uhr | Redakteur: Barbara Brendel
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