Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
 Universitätsmedizin Leipzig

„Ich bin doch noch so jung!“ Lebenszufriedenheit, Versorgungssituation und Unterstützungsbedarf von Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter

Projektleitung:
Dr. Kristina Geue, Prof. Dr. Yve Stöbel-Richter

Projektmitarbeit:
Dipl.-Psych. Annekathrin Sender, Dipl.-Psych. Katja Leuteritz, M.A. Michael Friedrich,
cand. med. Erik Nowe

Projekthintergrund:
Deutschlandweit erkranken im jungen Erwachsenenalter jährlich etwa 3-5 Prozent an Krebs. Die Heilungschancen dieser Patienten sind überdurchschnittlich gut. Einerseits müssen die Betroffenen sich mit den körperlichen und psychosozialen Folgen der Erkrankung bzw. deren Behandlung auseinandersetzen und gleichzeitig spezifische Entwicklungsaufgaben (z.B. Reifung der Persönlichkeit, Partnerschaft, Karriere, Familiengründung) bewältigen. Damit entspricht diese Patientengruppe weder dem typischen Patientenprofil von Erwachsenen noch dem von Kindern. Die psychoonkologische Forschung hat das Problemfeld der Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter (Adolescents and Young Adults - AYA) erst in jüngster Zeit aufgegriffen. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass AYA eine höhere psychische Belastung sowie eine schlechtere Lebensqualität im Vergleich zu Gleichaltrigen haben. Auch bei der psychosozialen Versorgung zeigen die bisherigen Befunde, dass die jungen Patienten einen hohen und oftmals unerfüllten Bedarf nach altersangemessener Unterstützung aufweisen.

Projektergebnisse
Ziel des Forschungsprojektes war die Analyse der psychosozialen Lebens- und Versorgungssituation von Krebspatienten im jungen Erwachsenenalter zu zwei Zeitpunkten (nach Abschluss der Akutbehandlung und 1 Jahr später). Fokussiert wurden hierbei die psychische Belastung, die Lebensqualität, die Inanspruchnahme und Zufriedenheit mit der bestehenden psychosozialen Versorgung, der Unterstützungsbedarf sowie Präferenzen und Wünsche hinsichtlich der psychoonkologischen Versorgung. Die Datengenerierung erfolgte mittels quantitativer und qualitativer Befragung, zum einen nach Abschluss der Akutbehandlung und des Weiteren ein Jahr später. 577 PatientInnen konnten zum ersten Befragungszeitpunkt gewonnen werden. Durch eine sehr aktive Panelpflege war auch die Teilnehmerquote für die zweite Befragung überdurchschnittlich hoch, so dass letztlich 514 Datensätze zur Auswertung für zwei Erhebungszeitpunkte vorliegen. Die Verteilung der Krebserkrankungen war für 9 von 10 Diagnosen mit der bundesweiten Inzidenz vergleichbar unter Nutzung der offiziellen Daten des Robert Koch-Institutes.
Die folgenden Ergebnisse konnten als besonders relevant für die Zielgruppe identifiziert werden: Bezogen auf die Lebenszufriedenheit in den Bereichen Einkommen/finanzielle Sicherheit, Beruf, Kinder- und Familienplanung, Gesundheit, Freizeitgestaltung zeigten sich signifikant höhere Zufriedenheiten zum zweiten Befragungszeitpunkt. Patienten mit geringem Haushaltsnettoeinkommen, komorbider Erkrankung bzw. ohne soziale Unterstützung sind besonders gefährdet, kurz- und langfristig weniger zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Erhöhte Werte bzgl. Ängstlichkeit und Depressivität ergaben sich für beide Befragungszeitpunkte für einen Teil der TeilnehmerInnen. Hervorhebenswert ist der Anteil derjenigen, die eine klinisch erhöhte Ängstlichkeit (42% bzw. 45%) aufweisen, da sich hier ein erheblicher Unterstützungsbedarf abzeichnet.
Auch wenn sich der Bedarf an psychologischer Unterstützung und Unterstützung hinsichtlich des Gesundheitssystems sowie bezogen auf die Behandlung von t1 zu t2 verringert, ist er doch – vor allem zu t1 – nicht unerheblich. Es zeigen sich Unterstützungsbedarfe hinsichtlich psychologischer Belange, das Behandlungssystem betreffend und bezüglich der Themen Kinderwunsch und Sexualität. Vor allem die beiden letzteren wurden nur sehr marginal in der Beratung angeboten. Zu beiden Befragungszeitpunkten wurden Wünsche nach allgemeiner oder psychologischer Beratung, nach altersangemessenen Sportangeboten und Entspannungsverfahren sowie nach sozialrechtlicher/beruflicher Beratung am häufigsten genannt.
Als Fazit aus unseren Ergebnissen empfehlen wir die Erstellung und Herausgabe spezifischer Ratgeber – einerseits für die Patientengruppe und aber andererseits auch für das klinisch tätige Personal, da diesem eine wesentliche Schlüsselfunktion für die Informationsweitergabe von psychosozialen Angeboten zukommt. Die langfristige weitere Erhebung der Patientenstichprobe ist ab Januar 2018 vorgesehen.

Webseite zum Projekt 
Pressemitteilung vom 03.02.2017

Förderung:
Deutsche Krebshilfe e.V.

Projektnummer:
933000-092

Laufzeit:
01/2014 – 03/2017

 
Letzte Änderung: 10.08.2017, 11:30 Uhr
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